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echtZeit - Ausgabe 4 (Weiteres)

 

Ausgabe 4

 

Vollständiges Interview mit Bürgermeister Herrn Eggert, echtZeit Ausgabe 4

 

Die Fragen kamen aus unserer Kinder- und Jugendgruppe.

Das Interview wurde im Rathaus Bad Schandau von Clemens, Cynthia, Maurice und Sophie (stellvertretend für die Gruppe) geführt.

 

Warum Sind Sie Bürgermeister?

Das geht ja gleich richtig schwierig los.

Ich könnt es jetzt einfach machen und sagen, weil ich gewählt wurde. Aber dies ist vielleicht ein bisschen zu einfach.

Der Hintergrund ist, das damals vor reichlich 22 Jahren, die politische Wende war und da wurden sogenannte runde Tische gebildet, an denen die Bürger beraten haben, wie die Zukunft nach der DDR aussehen soll. Dort sind einfach Bürger, die sich dafür interessiert haben wie es in unserer Region weitergehen soll, zusammengekommen um Probleme zu lösen. Da bin ich mit hingegangen, an diese runden Tische. Und dann irgendwann gab es die ersten Bürgermeisterwahlen bzw. ersten Gemeinderatswahlen. Dafür suchte  man Kandidaten, die das machen. Es gab ein paar Leute, die haben gesagt, du könntest  das doch machen. Damals ging es nicht, da ich persönlich in einer anderen Situation war, aber zwei Jahre später hat man mich wieder gefragt: „möchtest du Bürgermeister sein, könntest du für unsere Gemeinde Porschdorf an der Spitze stehen?“ Ja, habe ich gesagt, ich probiere es mal. Ist ja eine interessante Aufgabe. Und wenn man dann so mittendrin steht, geht es auch Stück für Stück weiter. Ich habe ein Studium nachgeholt und Gesellschaftswissenschaften und Verwaltungslehre studiert und somit bewerbe ich mich jetzt immer wieder, man ist es ja nicht automatisch, sondern muss sich bewerben und gewählt werden. Mittlerweile bin ich es seit  22 Jahren.

Muss man etwas gelernt haben, um Bürgermeister zu sein?

Bürgermeister ist einer der wenigen Berufe oder Tätigkeiten, wo man kein Zeugnis braucht, keine Schulnoten. Man muss unbescholten sein, also nicht bestraft und ansonsten kann man sich bewerben.  Man  braucht keine Qualifikation.  Ob ich jemals in einer Schule war oder nicht  spielt für das Amt des Bürgermeisters keine Rolle.  Man bewirbt sich und dann kommt die kleine Schwierigkeit dazu, man braucht mindesten 50,1 Prozent der Wählerstimmen.

Und woher weiß man dann, was man als Bürgermeister machen muss?

Ja, das ist eine gute Frage. Weil das weiß man so richtig nicht. Es gibt klassisch Leute, die das Lernen bzw. studieren. Man kann nach der Schule Verwaltungsfachwirt werden und es gibt noch den mittleren und gehobenen Dienst im Verwaltungsrecht, wenn man das von der Pieke auf gelernt hat, weiß man, was man als Bürgermeister zu tun hat. Häufig sind Bürgermeister aber Leute aus ganz anderen Berufen, sogenannte Quereinsteiger und die wissen es ein bisschen. Und ich habe es auch ein bisschen gewusst und geahnt und den Rest erfährt man dann relativ schnell, spätestens nach einem Jahr weiß man ganz genau, was alles auf einen zukommt und was man zu bewältigen hat. Und trotzdem ist das ein Beruf, wo jeder Tag und jede Situation immer wieder neu ist  und auch in jedem Fall immer wieder neu überlegt werden muss, wie löse ich das. Es gibt also fast keine fertige komplette Lösung für ein Problem. Es gibt Richtlinien, Verordnungen und Gesetze, das sind aber immer allgemeine Sachen. d. h. wie speziell an dieser Stelle mit dem Problem, das muss man immer wieder selbst rausfinden oder man hat Leute, die einen beraten.

Was gefällt Ihnen am meisten an Ihrem Beruf?

Ich würde es mal grob umreißen. Am meisten gefällt mir, dass ich mit Menschen zu tun habe. Menschen um mich herum sind, die mit mir arbeiten. Menschen für die ich die Probleme lösen kann, manchmal auch nicht, überhaupt der Kontakt mit den Bürgern, vielen Vereinen und Institutionen. Das ist der angenehme Teil. Der unangenehmen Teil, damit komm ich dann gleich zu der Kehrfrage, das sind dann sicherlich die Dinge, wie man so schön sagt, die trockene Bürokratie, die Formulare, die Gesetze, die Anordnungen die manchmal auch ziemlich chaotisch sind, wo man sich fragt, wie soll ich das nur in der Praxis umsetzen.  Das ist der unangenehme Teil. Das mach ich nicht so gern, das macht mir nicht so einen Spaß aber wenn ich dann wieder mit Menschen zu tun habe, ist es vergessen.

Was mich interessiert, Sie sind „Freier Wähler“, wie kommt es, dass sie keiner Partei angehören?

Da muss ich auch ein bisschen ausholen und erklären. Freier Wähler bin ich nur im Kreistag. Der Kreistag hat mehrere Fraktionen und mehrere Parteien unter anderem die Freien Wähler. Die Freien Wähler sind bislang keine Partei, sondern nur eine Interessenvereinigung. Als die Kreistagswahlen vor 5 Jahren waren, haben mich die Freien Wähler, die da schon im Kreistag waren, gefragt, ob ich für sie, also für ihre Interessen, einen Sitz im Kreistag einnehmen würde. Da habe ich mich zur Wahl gestellt. Die Freien Wähler haben kein eigenes Programm, sie handeln, wie man so schön sagt, einfach nach Vernunft und zum Wohle der Gemeinschaft. Während dem die klassischen Parteien konkrete Programme haben und Punkt für Punkt für bestimmte Dinge einstehen. Das gibt es beiden Freien Wählern nicht. Als Bürgermeister bin ich sogar noch weniger als Freier Wähler. Bürgermeister bin ich als Einzelbewerber geworden.  Nur ich als Person Andreas Eggert ohne eine Partei oder Interessengruppe. Da muss man zu Beginn, wenn man das das erste Mal macht, Unterschriften zur Unterstützung einholen. Und die musste ich damals  von den Bürgern einholen. Bürgermeister bin ich als Privatperson, ich bin keiner Gruppe verpflichtet. Keiner (keine Partei)  kann von mir verlangen, dass ich es so oder so mache. Ich bin dem Gesetz und meinem eigenen Gewissen und dem gesunden Menschenverstand verpflichtet. Und dass ich keiner Partei angehöre, das  hat sich so ergeben. Ich war zu DDR-Zeiten in keiner Partei, das war für mich überhaupt keine Option und dann kam es einfach nicht dazu. So schnell wollte ich mich nach der Wende nicht festlegen, was denn die richtige Partei sein könnte für mich. Mittlerweile ist es so für mich, dass ich mir sage, ich muss in keiner Partei sein, ich kann auch mit allen anderen Parteien an dieser oder jener Stelle kooperieren. Da gibt es Übereinstimmungen oder auch keine. Also ich bleibe sicherlich parteilos. Aber ich muss an dieser Stelle deutlich sagen, ich bin nicht gegen Parteien. Das wäre der falsche Schluss daraus. Parteien sollte es geben, man kann sogar sagen, Parteien muss es geben. Es können sich auch Leute vereinigen. Aber ich für meinen Teil tu es nicht und ein Stück weit haben mich auch meine Wähler in den vergangenen Jahren deshalb gewählt, weil ich mich nicht konkret auf eine politische Linie festgelegt habe.

Haben Sie es schon mal bereut Bürgermeister zu sein?

Ja. Also jeder Mensch ist ja auch emotional und manche Dinge regen einen auch einfach nur auf. Manchmal sucht man nach einer Lösung und findet sie nicht. Da ist man erstmal enttäuscht. Dann kommen auch solche Zweifel, dass man sagt möchtest du es überhaupt noch machen oder wie man im Volksmund sagt „Warum tue ich mir das an?“  Manchmal  fragt man sich auch hast du das  richtig gemacht oder hättest du es lieber sein lassen sollen. Aber das ist in jedem Beruf so, dass man denkt, „das will ich jetzt gar nicht mehr machen“. Aber das hält nie lange an. Länger als einen  Tag habe ich nie darüber nachdenken müssen. Dann holt einem der Alltag ein  und dann gibt es wieder spannende Geschichten und dann gelingt einem wieder was und das macht stolz und zufrieden.

Warum übernimmt Bad Schandau die Gemeinden, wie Porschdorf und Waltersdorf und was passiert mit Rathmannsdorf?


 Also zunächst mal übernehmen wir ja nichts. Das ist eine ganz schön komplizierte Kiste, fast schon zu kompliziert für einen echtZeit Artikel. Ich versuche es mal ganz einfach darzustellen. Im Grunde genommen haben wir immer irgendwelche Aufgaben zu erfüllen und auch Probleme zu meistern,  Dinge zu bauen und zu errichten. Meistens, eigentlich immer hängt dies auch am Geld. Wenn Kommunen und Gemeinden  sich dann zusammenschließen oder per Gesetz zusammengeschlossen werden dann kann man Kräfte bündeln.  Angenommen ich würde zu dir sagen, du musst jetzt innerhalb einer Woche einen 3 Meter hohen Berg schaufeln. Dann wirst du sagen, „gut ich kann das ja mal probieren“ und irgendwann wirst du feststellen, der Berg ist zu hoch. Dann kämest du natürlich besser, du würdest dir Hilfe suchen. Dann würdet ihr z.B.  zu dritt an dem Berg schaufeln und dann würdet ihr es gemeinsam schaffen. Nichts anderes, als dieses Prinzip ist es, wenn sich Gemeinden zusammenschließen. Das heißt die Kraft eines jeden Einzelnen wird mit der Kraft der anderen verbunden, damit ist die Gemeinde stärker. Um nichts anderes geht’s. Und wir haben heutzutage auch so viel komplizierte Vorgänge. Es gibt Datenverarbeitung, es läuft alles über Computer Und die Hochleistungscomputer und die Programme sind sehr teuer. Wenn jede kleine Gemeinde , jeder Ort diese Soft- und Hardware anschaffen um für seine Bürger das gleiche zu erfüllen, was die Stadt macht. Man will ja nicht schlechter gestellt werden, nur weil man im kleinen Ort wohnt. Und das können die nicht, da reicht das Geld nicht mehr. Oder sie müssten ihre Bürger mit Wahnsinns Steuern belegen. So machen Mehrere das zusammen und dann kauft man es nur einmal für alle und ist finanzierbar. Das Schwierige ist nur das man aufpassen muss, das durch dieses Zusammenarbeiten und Zusammenlegen von Prozessen trotzdem noch jeder er selbst bleibt. Denn auch wenn ihr drei zusammen an einem Berg arbeitet, dann sollst du nicht so aussehen wie sie und du nicht so sprechen wie er und ihr seid  jeder für euch ein Individuum.  Und viele verwechseln das. Sie denken, wenn wir jetzt gemeinsam an einem Berg schaufeln, dann müssen wir auch gleich sein. Und davor haben die Menschen Angst, dass die Rathmannsdorfer genauso denken sollen wie die Bad Schandauer oder wie die Krippener oder die Porschdorfer. Und deshalb sagen die Bürger häufig, wir wollen keine Zusammenlegung.
 Wir machen gemeinsam eine Sache und trotzdem ist jeder er selbst, dann funktioniert das auch. Aber das muss so langsam in den Köpfen der Menschen wachsen. Manchmal, wenn das Wachsen in den Köpfen zu lange dauert, dann greift auch der Staat ein und bestimmt das. So zum Beispiel hat der Staat bestimmt, dass die Kreise zusammengelegt werden und hat damals auch bestimmt, dass die Verwaltungsgemeinschaft gebildet wird  mit Rathmannsdorf, Bad Schandau, Porschdorf und Rheinhardtsdorf-Schöna. Es gibt also zwei Möglichkeiten. Man kann es freiwillig machen so  wie wenn deine Mutti sagt „du könntest mal dein Zimmer aufräumen“ , dann ist das zunächst erst mal eine freiwillige Geschichte, aber wenn das zu lange dauert, dann kommt dann wahrscheinlich mal eine Ansage das du es machen musst. Ähnlich ist es in der Politik. Also ob das dann mit Rathmannsdorf mal kommt, da sind wir noch in der freiwilligen Phase. Die können ihr Zimmer noch aufräumen J

Vor einiger zeit gab es die Information, dass in Bad Schandau ein Skater-Park errichtet werden soll. Ist das noch aktuell?

Ja, man kann sagen, das Thema ist erst mal wieder vom Tisch. Und zwar aus mehrerer Hinsicht. Zum Einem gibt es zumindest hier aus der Region heraus nicht den tatsächlichen Bedarf. Und Bedarf ist eine schwierige Sache, denn es gibt bestimmt einen oder drei oder fünf, die würden sagen, wenn ein Skater-Park da wäre, würde ich auch dort skaten. Nun sind aber einer oder drei oder fünf eben noch nicht der öffentliche Bedarf. Dann  müsste das Interesse noch ein Stück weit größer werden. Das ist aber nur ein Grund. Der zweite Grund ist, wir haben gar kein geeignetes Grundstück dafür . Wir können den nicht überall bauen. Dort wo wir bauen können, leben meistens auch Menschen und dort wo Menschen wohnen ist so eine öffentliche Skateranlage auch ganz schnell ein Störfaktor. Ohne das dies gegen die Skater bös gemeint ist. Aber der Sport  auf  so eine Anlage macht nun mal Lärm. Kein Mensch, der nach der Arbeit in Ruhe da leben will, möchte sich das antun. Also es müsste ein Ort sein der in gewisser Weise abgelegen ist, andererseits auch erreichbar sein muss und den haben wir derzeit nicht. Wir haben eventuell in Aussicht, dass am Bahnhof Bad Schandau, wenn wir mit der Bahn noch einmal in Verhandlung treten, eine Fläche dafür zu erwerben. Aber das haben wir auch ausgesetzt. Denn hier kommt der dritte Grund. Eine solche Anlage, wenn sie auch richtig und stabil errichtet werden soll, kostet eine Menge Geld. In der Größenortung  von 60.000 bis 100.000 Euro, je nachdem wie viel man da installiert. Aber das fängt mit dem Grundstück und dem Unterrund an, es muss eingefriedet werden und dazu die Elemente. Wir können es uns nicht leisten, so was, wie man umgangssprachlich sagt, zusammenzufuschen. Das heißt auch die Folgekosten sind wichtig, es muss Qualität sein, dass es lange hält, das kostet entsprechend Geld. Und diese Summe haben wir derzeit nicht zur Verfügung, bzw. wir, d.h. der Stadtrat hat gesagt, die Mittel sollen erst für andere Dinge zur Verfügung stehen. Damit muss eine solche Anlage nach hinten rücken, es kann derzeit kein Mensch sagen, ob es wird. Es wäre z.B. wesentlich dringlicher die Mehrzweckhalle in Prossen zu komplett zu sanieren, auch die Sanitäranlagen, die Wärmedämmung und alles was dazu gehört.

Sie haben gesagt, dass die Prossener Turnhalle saniert wird. Die Bad Schandauer Turnhalle ist doch nun auch kaputt, die  Grundschüler müssen jetzt immer nach Prossen. Was passiert mit der Kulturstätte.

Richtig. Es gibt immer wieder Dinge, da kann man sich schlecht wehren, das passiert. Das hat ja keiner so richtig damit zu rechnen, dass das Dach dort einknickt und nun ist es aber passiert. Und deshalb werden  wir das Dach der Kulturstätte als nächstes sanieren. Das war nicht geplant, d. h.  wir müssen wieder andere Dinge verschieben. Aber das hat, wie man so schön sagt, erste Priorität. Wir hoffen das das technisch funktioniert und nur so viel kostet, dass wir das bezahlen können. In den nächsten Wochen werden wir das bestimmt wissen und wir gehen davon aus, dass wir das noch dieses Jahr repariert haben und Anfang nächsten Jahres die Halle wieder benutzbar ist.

Vor einiger Zeit wurde der Jugendclub Bad Schandau verkauft, dieser war nach dem Hochwasser schon geschlossen. Was gibt es da für Alternativen in Bad Schandau?

Der Jugendclub ist ein ganz großes Thema, das hat mich über Jahre beschäftigt und gehört zu den Themen, über die ich äußerst unzufrieden bin, mit dem wo wir da stehen. Nur, weder ich noch anderen ahben dafür bisher eine  bessere Lösung gefunden. Wir müssen tatsächlich unseren Kindern und Jugendlichen sagen, betätigt euch dort, wo es schon Angebote gibt. Das sind hießige Verein, Initiativen das ist eine ganze Reihe was da ist, was man anbieten kann. Das setzt voraus, das man als Kind und als Jugendlicher Interessen für etwas hat. Und ich muss es leider so sagen, der Jugendclub Bad Schandau zu der Zeit , wo es ihn noch gab, war nichts weiter as ein Zufluchtsort für eine Handvoll Leute, die sich einfach nur austoben wollten. Wir haben es nicht geschafft als Stadt, aber auch mit der Hilfestellung von Jugendland und Jugendring tatsächlich dort  Angebote zu schaffen  die darüber hinaus Leute anlocken. Qualitative Angebote so kontinuierlich anzubieten, dass sich daraus etwas entwickelt. Es war immer mal wieder ein Aufbäumen, dann hat sich eine Gruppe von Leuten getroffen, dann sind sie wieder auseinander gerannt, meist haben sie nichts weiter als Unordnung gemacht, sie waren ganz wenig für programmatische Dinge zu bewegen. Das hat ein stückweit auch damit zu tun, das tatsächlich interessierte Jugendliche  in dem Jugendclub kein Ziel gesehen haben, sondern sich woanders getroffen haben. Im Vereinen, Fußball, Leichtathletik und mehr.. Die

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